Algerien hingegen erzeugt heute nur noch 10 bis 15% der Nachkriegsmenge. Der einst dominierende Verschnittwein ist nicht mehr gefragt. Geblieben sind sieben Qualitätsweingebiete in den Provinzen Alger und Oran.
In Marokko sind die Flächen "nur" auf die Hälfte geschrumpft. Bei Fes, Rabat und auch im Südwesten werden etliche erfreuliche Weine erzeugt und gut exportiert.
Maghreb
Bis in unser Jahrhundert hinein war das Weinland Frankreich ein Kolonialreich. Die überseeischen Besitzungen lagen vor allem in Afrika. Besonders enge Bindungen bestanden zum Maghreb, d.h. zum westlichen Teil der arabisch-moslemischen Welt, also Tunesien, Nordalgerien und Marokko.
Nachdem die Franzosen den Wein zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor gemacht haben, dreht sich heute das Rad wieder zurück.
Fundamentalistische islamische Strömungen haben vor allem Algerien erfasst; die Produktion und der einst so bedeutende Export sind weitgehend zusammengebrochen. Etwas liberaler verhält sich Marokko, während die Lage in Tunesien reichlich undurchsichtig bleibt. Das ändert jedoch nichts am Potential für Qualitätsweine, das in allen drei Ländern vorhanden wäre und vielleicht eines Tages wieder genutzt wird.
Marokko
Die Kolonialherren brachten seinerzeit jene Reben mit, die sich in den heissen Gebieten auf der andern Seite des Mittelmeers bewährt hatten, vor allem die weissen Beldi, Mersenguera, Muscat, Pedro Ximenez und Ugni Blanc sowie die ertragreichen roten Alicante Bouschet, Carignan, Cinsault, Grenache, Morrastel und Mourvèdre. Nur zögernd machten sich daneben die internationalen Sorten Cabernet und Pinot Noir breit. Mengenmässig überwiegen die Rosé- und Rotweine bei weitem.
Tunesien
Heute stehen im küstennahen Nordosten, vor allem in der näheren Umgebung von Tunis, noch etwa 25'000 Hektaren unter Reben und bringen durchschnittlich knapp eine halbe Million Hektoliter Wein hervor, zu 85 Prozent schwere, dunkle Rotweine mit hohem Alkoholgehalt. Die Rebensortenliste hat Ähnlichkeit mit jener Marokkos.